16. bis 29.05.2011 Pantanal, Brasilia, der Autor im Paradies und in Salvador. Außerdem lange, lange Busfahrten.

28 05 2011

Erstmal sorry, dass ihr so lange warten musstet. Lustlosigkeit beim Schreiben, schlechte Wifiverbindungen und so weiter haben mich vom Update abgehalten. Dafür habt ihr einen langen Bericht. Auch die NBilder werden immer weniger. Teils durch Schuseligkeit, teils durch mangelnde Motive.

Viel Spass beim lesen.

16.05.2011

Heute geht es dann ins Pantanal. Der Verkäufer der Tour hat die Erwartungen hochgesteckt. Uns wurde gesagt, dass es eine sehr gute Zeit fürs Pantanal sei, da gerade die Balzzeit des Jaguars ist und sich sein Habitus in dieser Zeit verringert. Außerdem wurden viele weitere Tiere versprochen. Unter anderem der große Ameisenbär, diverse Vögel, unter anderem Aras in jeglichen Farbschattierungen, Kapivaras, Kaimane und vieles, vieles mehr. Natürlich alles im überfluss. Auch unser Guide soll super sein, er hat angeblich 25 Jahre Erfahrungen.

Mit großen Hoffungen geht es dann erstmal wieder zurück in Richtung Corumba, wo ich ja eigentlich her gekommen bin. 4 Stunden Fahrt stehen bevor. Die Truppe besteht aus vier Leuten, ein junger Spund aus England mit Vorfahren aus Indien, ein isrealisches Pärchen und meine Wenigkeit. Wir verstehen uns prima und so sollte eigentlich alles passen.

Als die Hauptstraße dann aufhört steigen wir auf einen alten Truck um auf dessen Pritsche Sitze montiert sind. Der Fahrer unser Guide Johnny teil uns mit, dass wir noch auf eine weitere Person warten müssen, die aus Corumba kommt. Den Weg und das Geld für die Anfahrt über Campo Grande hätte ich mir also sparen können. Aber egal! Wenigstens konnte ich in Campo Grande ein kleines aber gutes Fernglas auftreiben.

Um uns das warten zu verkürzen, weist uns Johnny daraufhin, dass wir ein paar meter den Weg hinaus gehen können, dort hätte er einen großen Ameisenbär herumschleichen sehen und im Wasser würden sich Kaimane befinden. Wir also gleich los! Der Engländer erweist sich als Dauerredner. Was nicht gerade förderlich ist um Tiere zu beobachten. Dennoch sehen wir zwei drei Kaimane. Nichts im Gegensatz zu Los Llanos in Venezuela. Aber es ist ja der erste Tag. Dann zeigt uns Johnny noch den Ameisenbär, der aufgeschreckt vom ewigen Gelabbere und gekichere des Engländers schutz im Gestrüpp sucht. Auf dem Weg zum Camp läuft uns ein Gürteltier über den Weg.

Im Camp angekomen stehen wir erstmal doof rum. Für Abends nach dem Essen ist eine Nachtsafari mit dem Truck geplant. Es ist aber erst 4 Uhr. Kein Kuchen, kein Programm nichts was man machen könnte. Das Camp ist auch nicht besonders schön also gehen die meisten von uns schlafen um für de Nachtsafari fit zu sein.

Nach dem Abendessen ist es dann endlich soweit. Doch bevor es losgeht müssen wir den Truck anschieben. Wir fahren ungefähr eine Stunde einen Schotterweg entlang, Johnny fährt, ein weiterer Guide leuchtet viel zu schnell und völlig lustlos mit einem viel zu schwachen Scheinwerfer den Wegrand ab. Immerhin sehen wir einen Fuchs. Irgendwo klein im Dickicht versteckt er sich. Unmöglich Fotos zu machen. Dann jagen wir noch Kühe auf und das wars. Eine einzige Enttäuschung. Nicht das ich mich darüber ärgere, dass wir nichts gesehen haben. Wir sind schließlich nicht im Zoo. Aber die Art und Weise wie die Guides die Tour durchziehen ist zäh wie Leder und irgendwie hat man die ganze Zeit den Eindruck, sie hätten keine Lust. Nach einer Stunde geht es den gleichen Weg wieder zurück. Das Auto schreckt eine Kuhherde auf und auch der Fuchs läuft uns wieder über den Weg. Das war es dann für heute. Anschließend schlafen!

17.05.2011

Morgens um 6 Uhr gibt es Frühstück, anschließend steht eine Wanderung auf dem Programm. Der Engländer ist eitel und zieht sich zu diesem Anlass extra ein frisches Hemd an. Wir sollen nur Flip Flopps mitnehmen, da es durch Schlamm geht. Der Guide bittet um äußerste Ruhe, der Engländer tut sich damit äußerst schwer. Außerdem stampft er durch den Schlamm, dass man ihn von weiten hören kann und wenn kein Schlamm vorhanden ist, tritt er auf jeden Ast. So schrecken wir eine Herde Wildschweine auf und auch ein paar Affen schaffen es uns rechtzeitig zu hören. Aber wieder mal eine recht unbefriedigende Wanderung.

Auf dem Rückweg machen wir dann halt um zu tanken. An der Tankstelle gibt es einen Baum wo sich rote Aras aufhalten. Auf mich wirkt es so, als seien die Aras hier domestiziert. Denn die Tankstelle ist auch Restaurant und Hotel.

Das Gleiche gilt für die Bootssafari am Nachmittag. Viel zu kurz und viel zu schnell geht es von einem Punkt zum nächsten. Wir sehen Kaimane, einen einzigen Kapivara, eine Brüllaffenfamilie und diverse Wasservögel. Erklärungen zu den Tieren: Fehlanzeige!

Ich bin dann froh als die Bootstour beendet ist. Abendprogramm gibt es nicht.

18.05.2011

Heute geht es endlich wieder zurück nach Campo Grande. Ich habe keine Lust mehr auf den Scheiss hier. Aber erstmal steht angeln an. Wieder geht es viel zu ungeduldig von einem Punkt zum nächsten. Ich bin der Einzige, der etwas nennenswertes fängt und sorge somit für Abwechslung auf dem Speiseplan. Insgesamt haben drei größere Fische angebissen, ich habe es jedoch nur geschafft einen hinaus zu ziehen. Aber immerhin. Der Guide war beeindruckt und die anderen erfreut, denn der Fisch war viel zu groß für mich allein.

Nach dem angeln haben wie wieder viel Freizeit. Ich dusche, packe gründlich meinen Rucksack, denn ich habe noch einen lange Fahrt in die Hauptstadt Brasila vor mir.

Nach dem Essen geht es dann erstmal nach Campo Grande. Wir sehen vom Bus aus noch den größten Vogel des Pantanals. Der Gleiche den ich auch schon aus Los Llanos kenne, dann noch einen großen Ameisenbär und diverse Papageien. Eigentlich braucht man die Tour nicht. Nicht so, denn man fährt einfach die Hauptstraße ab und sieht alles was man auf der Tour sieht. Entweder lag es an der Jahreszeit, an den lustlosen Guides, an dem ewig plappernden Engländer oder einfach, daran, dass ich mitlerweile ein wenig reisemüde werde. Aber Los Llanos war eindeutig das bessere Packet.

Nach 4 Stunden Fahrt komme ich in Campo Grande an und lasse mich gleich zum Busterminal bringen. Mein Bus soll um 21:30 Uhr abfahren, das heisst 2 Stunden warten. Kein Problem. Doch aus den 2 Stunden werden 3 Stunden und ich habe Zweifel, ob ich den Bus nicht doch verpasst habe. Ich sehe wie ein paar Leute an einem Bus meines Anbieters herumschrauben. Ich gehe hin, ja es ist der Bus, er ist noch nicht weg. Es würde gleich losgehen.

Das tut es dann auch. Gott sei dank! Ich besteige den Bus und stelle fest: Hurra, man hat den Aus Schalter der Klimaanlage entdeckt. Denn ich habe keine Decke. Dafür habe ich zwei Sitze für mich alleine und somit eine gemütliche Fahrt.

Ein paar Bilder aus dem Pantanal:

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Ein Gürteltier.

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Ein Ochsenfrosch.

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Ein roter Ara.

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Romantische Abendstimmung …

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… die auf das Gemüt der Tucane schlägt.

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Brüllaffen im Gegenlicht.

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Wie ich das Überleben unserer Truppe in der Wildnis sichere.

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Dieser Knabe ist bein fischen micht so erfolgreich wie ich. Bekommt aber auch nichts von mir. Hier geht ums nackte Überleben.

19.05.2011

Die Nacht geht gut rum. Dann hält der Bus zur Frühstückspause. Vorher will ich noch schnell Pippi machen, die Blase drückt schon länger. Als ich dann von der Toilette komme ist der Bus weg. Ich bekomme einen Schreck. Ich sehe auch keine andern aus dem Bus mehr am Terminal herumstehen. Dafür sehe ich den Bus den Terminal verlassen und renne hinterher, schreie wie wild, der Bus wird auf mich aufmerksam, hält an, ich renne wie ein wilder hinterher. Der Busfahrer teilt mir irgendwas auf portugiesisch mit, was ich nicht verstehe, deutet jedoch auf den Terminal und ich verstehe seine Geste. Er wird zurück kommen. Dort treffe ich einen weiteren Fahrgast, er teilt mir auf englisch mit, dass er in die Werkstatt fahren würde. Irgendwas stimme mit dem Bus nicht. Es dauert ein bisschen, dann kommt der Bus zurück. Immerhin hatte ich Zeit zum frühstücken. Doch weit kommen wir nicht. Der Bus hält nach kurzer Fahrt an und wir wechseln den Bus.

Weiter geht’s. Die Fahrt zieht sich wie Gummi. Immerhin! ich habe zwei Sitzplätze für mich allein, so kann man es aushalten.

20.05.2011

Nach der langen Busfahrt komme ich dann abends gegen 19:00 Uhr in der modernen Hauptstadt Brasilien an. Brasilia ist einer der teuersten brasilianischen Städte. Dies macht sich auch bei der Hotelsuche bemerkbar. Ich habe jedoch das günstigste Hostel in der Stadt im Lonely Planet aufgelistet. Dieses befindet sich sechs Kilometer außerhalb des Stadtzentrums, es gibt zwei Anfahrtmöglichkeiten. Die günstigere wäre mit der Metro ins Zentrum (der Busterminal liegt weit außerhalb), dann mit dem Bus zum Hostel. Die kostenaufwändigere direkt mit dem Taxi zum Hostel. Ich entscheide mich für die teure Variante. Ich habe keine Lust mich mit dem Gepäck durch Metro und Bus zu kämpfen. Außerdem ist es zappenduster und ich bin platt. Nach kurzer Fahr und 35 Rias fürs Taxi mit Taxometer komme ich an und beziehe mein schlichtes Mehrbettzimmer. Das Hostel befindet sich irgendwo im nirgendwo, keine Shops in der Nähe, keine Möglichkeit essen zu gehen. Also dusche ich noch schnell und lege mich schlafen. Das Publikum ist recht jung, ausschließlich Brasilianer und es errinert mich an eine deutsche Jugendherberge. Also nicht gerade das was ich gesucht habe. Billig ist auch was anderes. Aber immerhin wird mein Budget nicht überstrapaziert.

21.05.2011

Nach dem Frühstück wasche ich meine Wäsche. Anschließend will ich die Stadt erkunden. Brasilia soll sehr sehenswert sein. Der berühmte Architekt „Oscar Niemeyer“ hat die Gebäude des Regierungsviertels entworfen. Der Grundschnitt der Stadt ist einem Flugzeug nachempfunden. An der Bushaltestelle sitzen einige Brasilianer. Ich werde nach kurzer Zeit auf portugiesisch angesprochen und tue mich mit der Verständigung sehr schwer. Das interesiert die Brasilianer jedoch nicht. Da der Bus nicht kommt und ein Auto anhält um uns für 2 Rias in die Innenstadt zu bringen, werde ich einfach mitgenommen. Unter den Brasilianern befindet sich auch eine junge Dame, die ebnfalls aus touristischen Gründen hier ist und das Regierungsviertel ansehen möchte. Sie lädt mich ein, mit ihr gemeinsam auf Erkundungstour zu nehmen. Das Regierungsviertel befindet sich passenderweise im Cockpit des Flugzeugs. Nach kurzer Zeit wird mir auch klar wozu mich Daniele braucht. Sie ist allein unterwegs und hat jetzt einen Fotografen. Danielle post vor jedem Regierungsgebäude und vor jedem Schild herum. Ich darf sie ablichten. Ich selbst kann heute keine Bilder machen, leider habe ich die Speicherkarte im Netbook vergessen. Wir besuchen diverse Museen, deren Zutritt kostenfrei sind. Unter anderem gibt es eine Führung durch den Justitzpalast. Ich verstehe kein Wort und viel Sinn macht es auch nicht hierher zu kommen. Wir sehen viele in Bronze gegossene Köpfe, zu jedem Kopf gibt es einen Vortrag. Natürlich kenne ich keinen einzigen. Also langweile ich mich zu tode.

Danielle hat noch eine Verabredung. Ständig telefoniert sie mit einem Fernando, der noch als Rettungssanitäter Einsatz hat. Diverse Unfälle hindern ihn am rechtzeitigen Erscheinen. Ich trenne mich von Danielle. Treffe sie dann jedoch in der Fressabteilung der Shoppingmall wieder, sie bietet mir an mit ihr und Fernando noch zu einem See zu fahren. Hiergegen habe ich nichts einzuwänden. Fernando kommt dann zur Shoppingmall und es geht los. Wenigstens spricht Fernando englisch. Er hat auch mal eine Zeit in Düsseldorf, Leverkusen und Köln verbracht, zeigt mir bei sich zu Hause Bilder vom Rheinufer.

Dann geht es zu einem Flussufer, dass zur Flaniermeile ausgebaut ist, anschließend noch auf den Fernsehturm. Dann wieder zurück ins Hotel. Dank Danielle wurde der Tag dann doch noch ganz schön. Auch wenn es mit der Verständigung nicht immer einfach war.

22.05.2011

Also erstmal eines vorweg. Ich weiß nicht so ganz, ob ich die vierstündige Busfahrt nach Alto Paraiso (Hochebene des Paradies, freie Übersetzung ohne portugiesische Sprachkenntnisse) überlebt habe. Aber ich bin dort angekommen, wohin es die wenisgten schaffen. Nun befinde ich mich trotz Teufelsverehrung, Drogenkonsum und zunehmender Sexualisierung dieser Seite (wurde mir zumindest in den Kommentaren unterstellt) im Paradies. Sogar in der hochebene des Pardieses. Der liebe Gott ist mir hier noch nicht über den Weg gelaufen. Im Paradies ist es schön. Es gibt jedoch einen ein Problem. Sogar ein großes Problem. Es kommen nur wenige ins Paradies, bevorzugt kommen Brasilianer der mittleren Oberschicht am Wochenende hierher. Man trifft so gut wie niemanden, schon garkeine Rucksacktouristen. Das ist dumm, sogar sehr dumm, denn ich wollte ja noch nicht abdanken, sondern ein paar Tage wandern gehen und dann weiter ziehen.

Kurze Ortsbeschreibung: Das Paradies wird überwiegend von wohlhabenden Hippies betrieben. Überall gibt es diverse „Therapieangebote“, wohl eine Art Fegefeuer. Angefangen von Hot Stone Massage, indische Kopfmassage, Ganzkörperpackungen, astrologische Therapien und wer einen Blick in die Zukunft der Ewigkeit haben will, kann sch die Tarotkarten legen lassen. Das und vieles mehr wird angeboten. Ich entscheide mich gegen Abend mal besser essen zu gehen (es gibt nur gehobenere Restaurants) und bekomme Biosalat mit Bioruccula Steak, dazu Acerolasaft und ein paar Biobeilagen. Lecker, aber auch nicht billig. Auch hier macht es sich bemerkbar, dass ich im Paradies bin, welches von Luxushippies betrieben wird. Die Kellnerin, Köchin und Besitzerin (alles in einer Person, Dreifaltigkeit eben) grinst die ganze Zeit mit einer Mimik, welche schwer an das gelassene Lächeln einer Buddhafigur erinnert. So langsam wird mir das ganze unheimlich. Dann bekomme ich noch ein Töpfchen mit Weihrauch oder einer ähnlichen Kräutermischung auf meinen Tisch gestellt. So get es zu im Paradies. Umstände an die ich mich erstmal gewöhnen muss.

23.05.2011

Ich bin unentschlossen ob ich länger im Paradies bleiben will. Eigentlich schon, aber ich will wandern gehen. Also klappere ich heute den Ort nach einer Möglichkeit wandern zu gehen ab. Wandermöglichkiten und schöne Ziele scheint es genug zu geben Allerdings muss man dorthin finden. Die Distanzen zu den jeweiligen Zielen sind groß. Also muss man was organisieren. Nach langem suchen finde ich dann eine Touristeninfo. Sogar geöffnet. Das ist schonmal was. Man bietet auch Gruppentouren an, sogar sehr günstig. Alledings muss man selbst eine Gruppe Zusammenstellen. Das ist der Hacken an der Sache. Man kann sich auch in eine Liste einschreiben, dies mache allerdins nur am Wochenende Sinn, wenn die Reichen den Ort belagern. Ich bekomme einen Tipp. Es gäbe noch einen Touranbiert an den ich mich wenden könne.

Also gehe ich zum Touranbieter. Eine nette Dame macht mir wenig Hoffnung. Es gäbe jedoch einen weiteren Interessenten und wir können uns möglicherweise zusammen tun um Kostn zu sparen und nicht ganz so allein durch die Gegend zu stapfen. Ich möge um 5 Uhr nochmal wieder kommen.

Also schlage ich den Tag tot. Viel machen kann man im Ort nicht. Gegen 5 Uhr gehe ich voller Hoffnung zur Agentur. Der andere hätte sich nichtmehr gemeldet und somit fallen alle Touren aus. Allein ist es einfach zu teuer und auch nicht wirklich schön. De Dame von der Agentur meint ich solle nach Sao Jorge fahren, wo sich der Eintritt zum Nationalpark befindet. Sie gibt mir noch einen Tipp für eine Tour zu einem Wasserfall, die ich auf eigene Faust unternehmen kann. Ich erkundige mich wann der Bus nach Sao Jorge abfährt. Einmal täglich um 19:00 Uhr. Das könnte passen. Morgen also erstmal wandern gehen und dann Abends nach Sao Jorge. Ich bin zufrieden!

24. und 25.05.2011

Nach dem Frühstück packe ich alles und mache mich auf die Wanderung. Erstmal kein Problem. Ich finde die Hinweisschilder und der Weg ist gut. Irgendwann komme ich jedoch in einer Sackgasse. Es gibt zwar weitere Wege, diese sind jedoch durch Tore versperrt, hinter den Touren bellende Köter. Also geht es nicht weiter. Extrem ärgerlich. Ich suche nach einem anderen Weg. Hier das gleiche. Plötzlich versperren hohe Toure und Stacheldraht das Weiterkommen. Also gehe ich extrem frustriert zurück ins Hotel. Gehe duschen und habe entschieden. Nichts wie raus aus dem Paradies. Ich will auch nicht mer zum heiligen Georg, da ich davon ausgehe, dass die Situation nicht besser ist und bis 19 Uhr zu warten will ich auch nicht. Außerdem geht um 13:30 Uhr der Bus nach Brasilia. Ich will auch nicht mehr nach Lencois. Ich will direkt ans Meer nach Salvador. Die letzten Tage einfach nur faul am Strand abhängen. Strände gibt es in Brasilien wie Sand am Meer und ich habe mich entschiede auf Strandhopping Tour zu begeben.

Frisch geducht geht es zum Bus nach Brasilia. Der Bus braucht 4 Stunden. Ich rechne mir Chancen aus noch einen Bus nach Salvador zu erwischen.

Der Bus gibt mal wieder seinen Geist auf, was eine Verzögerung der Ankunft mit sich bringt. Am Busterminal angekommen drängel ich ich bei der Gepäckrückgabe vor, renne schnell zu den Fahrkartenbüros und habe Glück. Mir wird gesagt, der Bus würde um 19:00 Uhr abfahren. Es ist 17:30 Uhr, also noch genug Zeit Reiseproviant zu kaufen. Am Fahrkartenschalter selbst heisst es dann um 18:00 Uhr. Also immerhin noch Zeit einen Hamburger bei Bob zu essen und auf Klo zu gehen. Ich zwänge mir einlig einen Cheesebürger mit drei Frikadellen, eine große Portion Pommes und einen halben Liter Cola rein. Das liegt schwer im Magen. Dann löse ich 17:55 Uhr mein Passierticket zum Bus ein und warte an Box 20 auf den Bus nach Salvador. Ich finde noch eine Steckdose, lade mein Handy auf, damit ich genug Musik habe. Darüber hinaus finde ich am Busstieg eine Waage. Mal sehen was Matruschka wiegt. Wow 22 kg. Wie ich das wieder zusammen bekommen habe. Klar der schwere Stein aus TorToro. Aber der kommt jetzt mit nach Hause. Ich erstelle noch eine Liste mit Dingen die ich nicht mehr brauche. In der zwischenzeit kommen zwei Deutsche zum Busstieg. Es ist 18:15, vom Bus keine Spur. Sie hatten die Info der Bus käme um 19 Uhr. Gegen 19:30 Uhr werden wir nervös. Es befinden sich auch keine weiteren wartenden Gäste am Busstieg. Also fragen ich mich mal herum wo der Bus bleibt. Als antwort kam, er hätte bereits eine längere Strecke hinter sich und da seih Verspätung normal. Also warten wir geduldig weiter. Mit zwei Stunden Verspätung kommt der Bus dann. Wir beziehen unsere Plätze. Diesmal habe ich keine zwei Plätze für mich, die Klimaanlage ist Nachts im Betrieb und ich komme mir vor wie in einem Kühlschrank. Eine Decke habe ich nicht und mein Fleecepulli hat der Kälte nicht viel entgegen zu setzen. Alles andere ist im Kofferram des Busses Morgens wache ich mit einem entzündeten Hals auf. Als die Sonne anfängt auf den Bus zu scheinen geht die Klimaanlage dan plötzlich aus und die Heizung wird in Betrieb genommen. Es wird ekelhaft warm.

Nach 24 Stunden Busfahrt kommen wir dann in Salvador an. Mit Kersting und Georg teile ich mir dann ein Taxi und wir beziehen ein schmuddeliges Hotel. Wir haben keine Lust mehr zu suchen, ich fühle mich schlapp. Meine Nase läuft, mein Hals ist schwer entzündet und ich habe leichte Kopfschmerzen. Eine Klimaanlagenerkältung. Genau das was ich mir für den Strand gewünscht habe. Aber erstmal sind wir ja in Salvador. Irgendwo habe ich gelesen, die gefährlichste Stadt Brasiliens. Aber es ist schön. Zumindest im historischen Stadtzentrum. Salvador ist die Hochburg der Kultur der schwarzen Bevölkerung Brasiliens, hier soll es das beste Essen Brasiliens geben und die heissesten Sambarythmen und vieles mehr. Aber davon bekommen wir heute nichts mehr mit. Ich will einfach in meinem schmuddeligen Bett schlafen und weiß, morgen werde ich mir ein neues Bett suchen.

26.05.2011

Nach dem Frühstück wechsel ich gleich das Hotel und finde auf Anhieb ein nettes kleines Hostel International, wo man sich wohlfühlen kann. Eine bequeme Wifizone wo ich mich mit Netbook in der Hängematte uaskurieren kann. Ich habe sogar Blick auf die Straße, außerdem gibt es ier ein gutes kleines Restaurant das sich auf Crepes spezialisiert hat und frische Obstsäfte gibt es selbstverständlich auch. Hier bin ich richtig. Kerstin und Georg wollen sich noch etwas anderes suchen. Ihnen ist es zu teuer. Sie sind der Auffassung: Luxus ist, wenn man nicht hinterm Busterminal übernachtet.

Ich erleichtere Matruschka um 8 kg und schicke ein Packet nach Hause. Regensachen brauche ich nicht, mein Alpacapulli ist für Busfahrten besser geeignet al mein Fleecepulli´, also kommt der Fleecepulli auch weg, ebenso brauche ich mine Wanderstiefel nicht mehr und noch einige andere Dinge werden nach Hause geschickt. Jetzt habe ich fast Pobleme Matruschka gut zu bepacken, weil zuwenig drin ist. Aber ich brauch e noch eine Decke für Nachtfahrten. Also wird noch was hinzukommen. Außerdem muss ich noch meinen T-Shirt bestand ein wenig aufstocken.

26. bis 28.05.2011

Ich gehe nochmal ein bisschen durch die Stadt, aber bleibe diese Tage weitestegehnd in der Wifizone des Hostels umd mich auszukurieren. Ich fühle mich sehr wohl. Das die Stadt voller Gauner ist sieht man erst auf en zweiten Blick. Überall stehen Wachmänner herum, teilweise sieht man kleine Jungs, die was ausbaldovern. Das ändert sich jedoch wenn man in den Stadtteil Barras wechselt. Hierher fäührt man übrigens mit einem mir bis dato unbekannten städtischen Transportwesen. Dem Aufzug. Ähnlich wie eine Straßenbahn. Man zahlt Eintritt und wird heruntergefahren. Dort gibt es dann den Soveniermarkt und die Fähren auf die naheliegenden Inseln. Aber auch jede Menge drogenabhängige und wenig vertrauenswürdige Gestalten tummeln sich hier herum. Das historische Stadtzentrum ist Tourimeile.

Langsam aber sicher bessert sich meine Erkältung.



08. bis 15.05 Cochabamba und Nationalpark Toro Toro und weiter nach Brasilien

16 05 2011

08.05 Markttag

Heute ging es zu einem Markt in der Nähe von Sucre. Es gab jede Menge Souveniers zu kaufen. Angeblich der beste und größte Souveniermarkt in Bolivien. Es war allerdings nichts besonderes. Allerdings treffe ich Lars wieder, der im Ferrobus dabei war. Wir beschließen gemeinsam den Nationalpark Toro Toro zu besuchen und verabreden uns für den Nachmittag um alles weitere zu planen.

Um in den Toro Toro zu kommen, führt kein Weg an Cochabamba vorbei. Also buchen wir den Nachtbus für den nächsten Tag.

Fotos vom Markt zu machen war nicht empfehlenswert. Kaum hat man die Kamera, befürchtet jemand, dass man mit selbigen Gerät seine Seele stiehlt und stürmt auf einen zu um das Auslösen zu verhindern. Dabei wollte ich nur Orangen fotografieren. Daher keine Bilder vom Markt.

09.05 Mal wieder Haare schneiden und mit dem Nachtbus nach Cochabamba

Heute steht nichts auf dem Programm. Also gehen Olivier und ich zum Frisör. Bei mir ist es dringend notwendig. Allerdings gibt es leichte Verständigungsprobleme. Die Frisörin ist auf Haarkürzung spezialisiert. Ich versuche ihr klar zu machen, dass sie oben ein wenig Ordnung reinbringen soll. Das tut sie nicht. Sie schneidet mir nur hinten ein bisschen herum. Oben lässt sie alles wie es ist. Dummerweise versuche ich ihr auch noch verständlich zu machen, dass sie meinen Kinnbart ein wenig stutzen soll. Ein fataler Fehler. Mein Erkennungszeichen für unterwegs wird radikal gekürzt. Drei Jahre Bartwachstum mit einem Mal zunichte gemacht.

Abends treffe ich mich dann mit Lars zur Weiterreise am Busterminal. Es steht ene Nachtfahrt bevor. Der Bus ist mal wieder unbequem. Ich stoße mir ständig irgendwelche Knochen an irgendwelchen Teilen um mich herum. Aber es gab ein Highlight. Busfahren kann sich in Bolivien ganz erheblich von den bisherigen Busfahrten unterscheiden. Der Bus hält während der Fahrt an, wendet aus uns nicht nachvolliehbaren Gründen und verlässt die Straße. Erst geht es ein kleines Stück über freien Acker. Dann wieder ein ungewöhnliches Wendemanöver und plötzlich befinden wir uns in einem befahrbahren Flussbett. Der Bus fährt einfach einen Fluss entlang, das in völliger Dunkelheit. Lars und ich gehen davon aus, das die reguläre Straße nicht passierbar ist. Irgendwann sind wir dann wieder auf einer Straße. Bei der Ankunft sind wir dann jedoch davon überzeugt, dass der Fahrer lediglich eine Abkürung genommen hat. Denn wir erreichen Cochabamba eine ganze Stunde zu früh. Recht ungewöhnlich! Uns passt das so garnicht, denn bei Ankunft ist es 5:00 Uhr morgens. Viel zu früh um anzukommen. Mit dem Taxi fahren wir in die menschenleere Innenstadt um uns ein Hotel zu suchen. Teilweise wird uns nicht aufgemacht, teilweise sind die Hotels noch nicht frei. So macht Hotel suchen keinen Spaß. Hinzu kommt noch, dass Lars sehr preisbewußt reist. 17 Euro für ein Doppelzimmer sind ihm zu teuer. Ich setze mich jedoch durch. Ich bin müde, meine Knochen tun mir vom ständigen Antsoßen im Bus weh und ich habe einfach keine Lust mehr durch die Stadt zu laufen. Also nehmen wir das erste Hotel was uns Einlass gewährt. Anschließend schlafen wir erstmal.

10.05 Cochabamba

Ausgeschlafen bringe ich erstmal meine Wäsche in die Reinigung. Ich bin wieder wäschemäßig am Ende. Wenn möglich wollen wir ja nur eine Nacht in Cochabamba bleiben und gleich weiter in den Nationalpark. Also müssen wir Agenturen abklappern. Wir finden drei Agenturen. Alle mit sehr unterschiedlichen Preisen und Angeboten. Hinzu kommt, dass es Preisstaffelungen gibt. Je mehr Leute, umso günstiger. Also rennen wir den ganzen Tag von einer Agentur zur nächsten. Die Preisspanne liegt zwschen 75 und 150 Euro. Je nachdem! Wir haben Glück. Es kommen insgesammt sechs Personen zusammen also bekommen wir das günstigste Angebot für 75 Euro. Ich erkundige mich auch gleich wie ich am besten nach Brasilien weiter komme. Es git diverse Möglichkeiten. Mit unterschiedlichen Zügen, was ich ursprünglich geplant habe, dann noch mit Bus und die Agenturtante rechnet mir aus, was der Flug an die Grenze kosten würde. mit 78,80 Euro recht günstig. Zumal ich so etwas schneller bin und ich habe genug davon mir die Beine zu stoßen.. Also entscheide ich mich für die Flugvariante nach Puerto Suarez, dann weiter mit Taxi an die Grenze, von wo aus ein Linienbus nach Corumba fahren soll, dann will ich weiter nach Campo Grande um von dort aus die Tour nach Pantanal zu buchen. Es gibt zwar auch Touren direkt von Corumba aus, diese sollen auch günstiger sein, Allerdings wird im Reiseführer als Ausgangspunkt eher Campo Grande empfohlen. Da hier die Anbieter ihre Büros haben.

11.05 Fahrt nach Toro Toro

Aber vor Brasilien steht erstmal der Nationalpark Toro Toro an. Er gilt als Geheimtipp, in meinem Lonley Planet wird er garnicht erwähnt. Ich bin auf die Empfehlung eines Israelis auf den Park aufmerksam geworden. Hier gibt es diverse Fossilien zu besichtigen, insbesondere gibt es hier versteinerte Fussspuren von Dinosaurieren, aber auch eine tolle Landschaft wurde mir versporchen und Höhlen in denen eine Fischart lebt, die nur hier existiert. Blinde Fische!

Also geht es morgens los. Die Fahrt dorthin dauert vier Stunden. Nachdem wir die Landstraße verlassen haben, geht es die ganze Zeit über Kopfsteinpflaster. Allerdings gepflastert aus großen Kieselsteinen. Was die verschraubten Teile eines jeden PKW´s auf eine harte Probe stellt. Die Landschaft ist grandios. Bolivien ist ein unglaublich buntes Land. Überall rote Felsen, teilweise auch andersfarbig, immer durch unterschiedliche Sedimentsschichten gezeichnet und durch Erdbewegungen zu bizarren Wellen geformt. Langsam geht es auch wieder in niedrigere Regionen und es ist nicht mehr ganz so kühl. Auch die Truppe ist angenehm. Es könnte zwar ein wenig mehr Unterhaltng zu stande kommen. Lars und ich sind jedoch mit zwei Pärchen unterwegs. Da ist immer Grüppchenbildung angesagt.

Wir beziehen unser einfaches Hotel. Mit heisser Elektrodusche, die jedoch nicht richtig funktioniert. Die Betten sind akzeptabel. Das Hotel befindet sich im Dorf Toro Toro. Ein neueres Dorf, dass jedoch wie aus dem letzten Jahrhundert wirkt. Toro Toro wurde von einer Pflanzenseuche geplagt und daher sind vor ca. 40 oder 50 Jahren alle angebauten Pflanzen dahingerafft worden. Dies führte dazu, dass die Bwohner den Ort verlassen haben. Wenn ich den Guide richtig verstanden habe, haben die Anwohner der Nachbardörfer dann Kleinholz aus dem Ort gemacht. Wahrscheinlich um sich das Baumaterial anzueignen. Vereinzelt sieht man noch alte verfallene Häuser aus Lehmziegeln. Die neuen Häuser sehen aber auch schon recht antik aus. Wir sind halt in einen dem ärmsten Land Südamerikas.

Nachdem das Zimmer bezogen ist, geht es auch gleich auf den ersten Ausflug. Mario unser Superguide, allerdings ohne englische Sprachkenntnisse führt und in die Höhle Uxxx. Mario kennt hier jede Ecke. Er geht in seiner Freizeit in der Umgebung von Toro Toro gerne spazieren, ist Biologe und Geologe. Die Höhle selbst ist leider ziemlich stark beschädigt, da viele, vor allem Einheimische Touristen gerne Stalagtiten abschlagen um diese als Sovenier mitzunehmen oder zu verkaufen. Allerdings gibt es ein paar tolle Kletterpartien und es geht durch richtig enge Stellen. Teilweise müssen wir robben um voran zu kommen. In der Höhle gibt es dann die berühmten blinden Fische, die es nur hier zu sehen gibt. Danach ist dann auch genug für den Tag. Wir gehen zurück in die Unterkunft und ruhen uns aus.

12.05 Wanderung im Cannon Vergel und Dinosaurierspuren

Heute geht es dann auf eine tolle Wanderung. Zunächt durch ein derzeit trockenes Flussbett. Wir sehen ausgetrocknete Wasserfälle. Mario nennt es natürliches Theater. Weil die Formen ein wenig wie die Sitzplätze eines Theaters aussehen. Dann kommen wir zu einer Aussichtsplattform, wo wir eine spektakuläre Aussicht in die 300 meter tiefe Schlucht haben. Dann geht es über einen tipptopp geplasterten Weg hinab in die Schlucht. Es folgt ein wenig kletterei über die Felsen. Dann gehen wir im Bach baden. Überall befinden sich kleinere Wasserfälle. Lars fragt Mario ob man mal zu einer Quelle hochgehen kann. Sofort geht Mario mit denen aus Gruppe hoch, die sich als trittsicher erwiesen haben. Ich bin dabei! Die Kletterei ist gefährlich und erfolgt ohne Seil. Macht aber Spass! Das Wasser kommt aus einer Höhle. Mario war natürlich schon drinnen. Derzeit ist sie nicht passierbar. Es gibt zuviel Wasser. Man muss wohl ein kleines Stück kriechen, dann tauchen und ist plötzlich in einer riesigen und sehr schönen Höhle.

Nachmittags geht es auf den Dinosaurierhügel. Hier gibt es diverse Fussstapfen von Dinosauriern zu sehen. Einige haben wir bereits gestern gesehen. Es gibt ganze Trampelpfade. Mario wiess genau, welches Dinosaurier wann wo lang gelaufen ist, einige Tiere sind auch ausgerutscht, andere mussten schwimmen, denn frührer war hier Meer und Mario weiß auch, was jedes Tiere, welches hier Spuren hinterlassen hat gegessen hat. Er macht die Bewegungen der Tiere nach und ist überhaupt ein absoluter Dinosaurier Experte. Lange Zeit wußte man mit den Spuren nichts anzufangen. Sie wurden erst im Rahmen des Ausbaus des Nationalparks in den 1980er und 1990er Jahren entdeckt und erforscht. Mario war die ganze Zeit mit von der Partie. Ich habe ich wieder absolutes Glück mit dem Führer. Überhaupt kann ich sagen, dass die älteren Führer durch die Bank weg besser sind als die Jungen.

13.05 Fossiler Friedhof in den roten Bergen

Heute geht es dann zum Friedhof der alten Meerestiere. Wieder eine schöne Wanderung entlang eines Flusses. Es gibt einige Kletterpartien. Dann zeigt uns Mario einen Ort wo unmengen an Fossilen zu besichtigen sind. Vor allem Muscheln. Er kennt mal wieder jeden Stein und weiss wieder alles zu deuten. Wir suchen einige schöne Fossilien – überwiegend Muscheln. Ich entdecke einen Stelle an der ich ein größeres und schönes Fossil vermute. Mario hilft mir dabei die Steinplatte herauszuziehen. Und siehe da, mein Gespür hat mich nicht entäuscht. Das Dumme, Matruscka hat wieder geschätzte zwei Kilogramm mehr zu schleppen. Ich natürlich auch. Vielleicht sogar mehr. Aber den Stein will ich haben.

Dann geht es noch zu versteinerten Schildkröten. Hier endet meine Fantasie jedoch. Es sind nur versteinerte Knochen und ehrlich gesagt, man hätte mir sonst was hinhalten können und behaupten können, es stamme von einer Schildkröte. Allerdings gehen wir durch eine seltsame Landschaft. Rote Vulkanasche überall um uns herum. Schwer darauf zu laufen aber schön.

Als ich dann mit meinem Stein zurück nach Toro Toro komme wird sowohl der Fahrer als auch Mario nervös. Ich habe nämlich etwas verbotenes gemacht. Die Fossilien dürfen nicht mitgenommen werden. Ich bin ein wenig verwundert. Da ich mich nahezu dazu angestiftet gefühlt habe und Mario mir sogar noch dabei geholfen hat den Stein frei zu legen. Hätte er was gesagt, ich hätte selbstverstäbdlich alles zurück gelassen. So habe ich Diebesgut über die Grenze zu bringen. Ich fühle mich ein wenig schuldig. Aber nu ist der Stein eh schon rausgerissen. Also bringe ich ihn nach auch nach Hause.

Dann geht es wieder zurück nach Cochabamba. Ich habe mein Hotel bereits vorgebucht und will ja morgen früh gleich weiter in Richtung Brasilien.

Hier die Bilder aus Toro Toro:

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Blick vom Balkon des Hotels in Toro Toro

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Dinosaurierspuren mit roten Sand sichtbarer gemacht.

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Heute gibt es mal einen Regenbogen.

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Reste einst mächtiger Stalagtiten.

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Blinde Fische.

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Fossiler Strand.

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Natürlisches Theater (kommt auf dem Bild nicht so ganz raus. Ware zu groß zum einfangen).

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Ausblick von der neuen Aussichtsplattform auf die Schlucht Vergel. Gigantisch! 300 meter tief.

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Unten in der Schlucht kommt das Wasser aus dem Berg an.

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Durch waghalsiges Klettern erreichen wir die Quelle des obigen Wasserfalls.

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Und hier eine Stelle wo das Wasser aus dem Berg herausgesprudelt kommt. Hier soll sich eine tolle, derzeit nicht passierbare Höhle befinden.

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Die Schlucht von unten.

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Ich auf den Spuren der Dinosaurier.

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Auch dies sind Dinospuren.

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Dinoexperte Mario erklärt uns alles. Leider verstehe ich nur die Hälfte, aber Mario ist in seinem Element. Superguide der Extraklasse!

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Und hier gibt es sie noch. Wer Dinos sehen will, muss nach Toro Toro kommen.

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Der Weg zum Fossilen Friedhof Cementario de Marinos. Wer trockenen Fusses hier durch will muss klettern.

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Durch die rote Wüste.

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14.05.2011 Flug an die Grenze nach Brasilien

Früh morgens verlasse ich das Hotel, nehme mir ein Taxi, dass mich zum Flughafen bringe und hüpfe dann mit zwei Flügen innerhalb eines halben Tages an die Grenze nach Brasilien. Das hätte mich mit Bus oder Bahn mindestens drei Tage gekostet. In Puerto Suarez warte ich auf mein Gepäck. Das dauert ein wenig länger, denn der Militärtyp mit dem Hund hat es wohl auf Matruschka abgesehen. Ständig weist er den Spürhund an Matruscka nochmal und nochmal zu beschnüffeln. Der Hund springt jedoch nicht an. Auf Fossilien sind Spürhunde nicht ausgerichtet. Ich habe weder Drogen im Gepäck, noch habe ich Dynamit auf Potosi dabei. Nichtmal einen Beutel Kokatee. Ich will ja nach Brasilien.

Nachdem ich Matruschka in Empfang genommen habe, nehme ich mir ein Taxi und lasse mich an die Grenze fahren um gleich weiter zu reisen. Aber ich scheitere am letzten Grenzübergang. Die Behörden sind bereits geschlossen und so muss ich noch eine Nacht an der Grenze verbringen. Ich suche mir also ein Hotel. Zum Glück kann man an der Grenze mit brasilianischen Rias bezahlen. Ich kann mir mit meinen letzten Bolivanos gerade noch das Hotel leisten. Dann ist mein bolivianisches Geld restlos aufgebraucht. Der Grenzort ist trostlos. Es gibt viele Läden, da man es auf reiche Brasilianer abgesehen hat, die hierher zur Schnäppchenjagd reisen. Eine Art Venlo aber weniger schön. Im Zimmer zappe ich mich durchs Fernsehn und traue meinen Augen nicht. Ich sehe Anke Engleke und Stefan Raab im spanischen TV wie die den ESC morderieren. Also gehe ich nochmal schnell raus, organisisere mir ein paar Bierchen und ein paar Tüten Chips. So gibt es wenigsten noch Unterhaltung Life aus Düsseldorf im Grenzgebiet zu sehen.

15.05.2011 Mein letzter Grenzübergang in Südamerika

Naja, ich muss Brasilen auch wieder verlassen. Aber das wird ein Kinderspiel – denke ich mal! Ganz anderes dieser Grenzübergang. Hoffnungslos überlaufen. Bolivien zu verlassen war ein Kinderspiel. 30 Minuten Schlange stehen, freundliche Grenzer und alles gut. Schlange stehen mache ich nicht gerne und ich dachte, 30 Minuten ist mehr als genug. Von wegen. Als ich an der brasilianischen Migration stehe, stehen dort mit mir über den Daumen gepeilte 200 Personen. Alle werden Einzeln reingelassen. Ich stehe 2 Stunden Schlange, bis ich endlich von einer unfreundlichen Grenzbeamtin herrein gebrüllt werde. Zu mir sind sie noch „nett“ aber zu der jungen bolivianischen Dame die hinter mir dran kommt ist sie von vornherein sehr abweisend. Aber das soll nicht mein Problem sein. Da es sehr hektisch zugeht, fragt sie mich wie lange ich zu bleiben vorhätte. Bevor ich antworte schreibt sie mir 30 Tage in den Pass. Ich protestiere jedoch. Ich lege ihr mein Flugticket hin und sage ich bräuchte mehr. Sie weigert sich zunächst. Ich sage, ich habe bereits 90 Tage bei meiner letzten Einreise erhalten, die seihen noch nicht abgelaufen, sie solle mir einfach 60 Tage geben, oder ganz genau ausrechnen, wieviel Tage mir nach der letzten Ausreise noch zur Verfügung stehen. Sie ist etwas verwundert von soviel Argumentation und korrigiert nach oben. Die junge bolivianische Dame ist nicht so schlagfertig wie ich und lässt sich von dem arroganten Gehabe dieser Zicke mehr beeindrucken bzw. hat ihr nicht viel entgegen zu setzen. Die Grenzerin glaubt ihr nihct, dass sie in Barlien Urlaub machen will. Ich ihr ehrlich gesagt auch nicht. In Südamerika haben die Grenzbeamten ziemlich viel Macht, da es kaum Visaregelungen gibt (zumindest nicht für Deutsche). Irgendwie ist alles willkürlich und man hat selten wirklich gute Argumente um dass Maximun zu bekommen, was einem das Auswaertige Amt verspricht. Bei der letzten Einreise nach Brasilien war alles unkomplizierter und die Leute waren netter. Warum diesmal sone doofe Ziege? Naja, wie auch immer. Ich hab was ich wollte und gut ist und hoffe, das gekritzel in meinem Pass wird bei der Ausreise nicht als Fäschung interpretiert. Nichts wie weg von der Grenze.

Mit dem Omibus (so heissen in Brasilien die Busse, recht Tippfehler) geht es dann nach Corumba, aber ich will weiter. Also zum Busterminal. Es ist 13 Uhr als ich ankomme. Noch nichts im Magen und noch immer etwas genervt von der Grenztussi. Der Bus ist gerade dabei abzufahren. Ich will weiter, will aber vorher noch was essen. Also entscheide ich mich für den Bus um 15:00 Uhr.

Gegen 23:00 Uhr komme ich dann endlich in Campo Grande an. Bekomme einen Schock als ich das Taxometer meines Taxis beobachte, als ich mich zum Hotel fahren lasse. Taxifahren ist im Vergleich zu den Ländern die ich bisher bereist habe extrem teuer. Aber ich bin halt im boomenden Brasilien. Mal sehen was die Tour kostet.



06 und 07.05.2011 Laguna Tarapaya, Fahrt von Potosi nach Sucre mit dem Ferrobus

8 05 2011

06.05.2011

Gestern haben Olivier und ich uns entschieden noch einen Tag zu bleiben. Der Grund: Samstag können wir mit dem Ferrobus nach Sucre. Das soll schöner sein als mit dem normalen Bus, günstiger, dauert jedoch länger. Allerdings ist der Ferrobus als solcher schon eine Attraktion. Wir kaufen uns die Tickets.

Anschließend ging es mit Olivier zur Laguna Tarapaya. Diese Lagune ist eine heisse Quelle, die wohl schon die Inka aus Cuzco zum baden angezogen hat. Ich bin einigermaßen verwundert. Bei der Quelle handelt es sich mal wieder um ein Termalbad. Unter einer Lagunge hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Aber wollen wir mal nicht meckern. Sie war schön in den Bergen gelegen und so legten wir einen Inkawellnesstag ein. Die Temperatur war angenehm. Der See selbst, eine künstliche Anlage, war eher klein. Dennoch eine Touristenattraktion. Besonders verwundert war ich, weil ich in Wikipedia gelesen habe, dass die Lagune sehr gefährlich ist. Wilde Strudel sollen Menschen in die Tiefe reissen ebenso soll der See bei selbstmordwilligen sehr beliebt sein. Ich habe keine Strudel gesehen und bin ohne Selbstmordabsichten hingefahren und heile wieder zurück gekommen.

07.05.2010 Mit dem Ferrobus nach Sucre

So zunächst mal ein paar Infos zum Ferrobus. Der Ferrobus ist eine Art Bus auf Schienen. So eine Art Einkabinige Straßenbahn mit Dieselantrieb. Der Ferrobus ist ähnlich wie die Wuppertaler Schwebebahn ein besonderer Zug, den es nur sehr selten gibt. Von Potosi geht er dreimal die Woche und benötigt laut Fahrplan sechs Stunden. Der Bus macht es in der Hälfte, jedoch fährt er nicht durch so eine spektakuläre Landschaft. Der Zug oder Bus oder was es auch immer ist, verbindet die abgelegenen Bergdörfer.

Als wir Potosi verlassen und der Ferrobus sich den Weg frei hupt, wird ihm der Stinkefinger gezeigt. Er scheint in Potosi nicht sehr beleibt zu sein, da er nicht ausweichen kann. Das ändert sich als wir in den ersten Dörfern ankommen. Carlos unser Lokomotivführer ist ein Urgestein. In den Dörfern kennt ihn jeder und er kennt jeden und alle scheinen sich zu mögen. Hier ist die Welt noch in Ordnung! Außerdem ist noch ein Mechaniker bestandteil der Crew. Erkennbar am roten Helm mit Schweisserbrille. Die beiden erinnern mich ein bisschen an die Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Carlos ist Lokomotivführer mit Leib und Seele. Er ist stolz auf seinen Job und mag auch die paar Touristen die den Weg in den Ferrobus finden. Touristen werden auf die besten Plätze gesetzt. Carlos kennt jeden Stein und jede Schwelle seiner Strecke. Wer von Euch ist schonmal mit einem Zug gefahren, der plötzlich an den schönsten Stellen anhält und die Touristen zum aussteigen auffordert? Wahrscheinlich niemand. Carlos und sein Mechaniker gehen noch weiter. Sie steigen mit uns aus und erklären uns die Landschaft. Die Einheimischen sehen es gelassen. Sogar zum Hin- und her fahren ist Carlos bereit, damit sein Zug auch gut ins Bild kommt. Wir haben einen mordssspaß.

Die Strecke ist ein absoluter Geheimtipp. Wer vor hat von Potosi nach Sucre zu fahren sollte dies mit dem Ferrobus tun und nicht mit dem normalen Bus. Hier bekommt man auch gut und leicht Kontakt zur freundlichen einheimischen Bevölkerung. Gelegenheiten bieten sich genug. Man kann einem Kind was zu naschen anbieten. Einer älteren Dame beim Gepäck schleppen helfen und vieles mehr. Schon ergeben sich kleine Gespräche. Der Platz im Bus ist mit 35 Sitzen allerdings sehr begrenzt. Daher kann man auch mal einen Sitzplatz anbieten, wenn ältere Herrschaften keinen mehr finden.

Hier die Bilder der Fahrt:

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Alte Züge am Bahnhof von Potosi

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Auch ein Schmuckstück. Allerdings nicht unser Gefährt.

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Here it is, the one an only Ferrobus 202 Made in Germany by Mercedes

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(K)ein Zug, (k)ein Bus ein Ferrobus 35 Sitzpläte und 45 km/h Topspeed.

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Ich verlade Matruschka auf’s Dach.

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Vor der Abfahrt nochmal schnell rumposen.

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Dann geht’s los. Durch solche Schluchten.

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Vorbei an solchen Bergen.

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Auch Jesus lebt versteinert am Wegesrand weiter.

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Der Soldat mit seiner Kanone.

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Ein Zwischenstop zum Fotos machen.

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Der Ferrobus passiert eine Brücke.

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Die Schienen auf der Brücke. Sie hält schon ewig und wird auch heute nicht zusammenbrechen.

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Manchmal verhindern Tiere die weiterfahrt. Carlös hupt sie einfach weg.

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Hier der Fahrplan aller Ferrobusse in Bolivien. Wer neugierig geworden ist, kann mich wegen des Fahrplans gerne anschreiben. Ich verschicke ihn dann als Datei.

In Sucre angekommen geht’s dann mit einem normalen Bus weiter ins Zentrum. Olivier und ich suchen uns ein Hostel. Werden nach einiger Suche fündig. Olivier ist sehr kritisch. Er erwartet seine Freundin (Peruanerin) kömmenden Mittwoch und will ein besonders ordentliches Hostel haben. Allerdings auch nicht zu teuer. Sieht schwer nach Verlobung aus. Bis dahin werde ich aber schon weg sein.

Sucre macht auf den ersten Eindruck einen ordentlichen Eindruck. Langsam wundere ich mich wie das teilweise schlechte Image Boliviens zustande gekommen ist. Ich habe mich hier noch nicht einmal unsicher gefühlt. Wenn man nicht gerade in der Grossstadt ist, sind die Leute herzlich wie überall und die Städte sind nicht schlechter als anderswo in Lateinamerika. Lediglich die Busse sind woanders besser. Aber niergendwoanders habe ich bisher den Ferrobus entdeckt.



29.04. bis 05.05.2011 Erste lange Busfahrt in Bolivien, Salar der Uyuni Tour, Mienen von Potosi

6 05 2011

29. und 30.04.2011

Ich habe mich entschieden La Paz möglichst schnell zu verlassen. Die schnellste Möglichkeit ist heute 18:30 Uhr ganz in den Süden Boliviens nach Tupiza, von wo aus die besten Touren zur Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Welt angeboten werden sollen. Uyuni soll von Touranbietern völlig überlaufen sein, was dazu geführt hat, dass die Preise sinken, damit jedoch auch die Qulität der Touren. Von mangelhafter (schlecht und wenig) Verpflegung ist die Rede, von schlechten Übernachtungen, schlechten Guides, betrunkenen Fahrern die in schrottreifen Kisten die Touristen zu tode fahren. Also entscheide ich mich für die 20 stündige Busfahrt nach Tupiza.

Meine erste lange Busfahrt in Bolivien und ich glaube die längste überhaupt:

Die Busse sollen schlechter sein als in Peru. Wobei in Peru die besten Reisebusse überhaupt existieren. Ich buche den Bus über eine Reiseagentur, was mich 30 Bolivanos extra kostet. Soviel wie das Taxi zum Busterminal und zurück. Damit kann ich leben! Der Agent hat mir zugesichert, dass es sich um einen gute, sichere Reisegesellschaft handelt, der Bus selbst soll gemütliche Halbbetten haben.

Diese Aussage lässt hoffen. Nach Peru werde ich jedoch bitterböse enttäuscht. Grundsätzlich hätte es aber schlimmer kommen können. Zunächst nehme ich das Taxi, der Taxifahrer kann es kaum glauben, dass ich La Paz verlase ohne Tiwuacan, die größte (Prä)inkaruine besichtigt zu haben. Ein bisschen wundere ich mich selbst. Aber ich habe genug Ruinen gesehen und es wäre für mich kein Grund einen Tag länger in La Paz zu bleiben. Ich habe einfach keine Lust auf Grossstadt.

Am Busterminal angekommen muss ich mich erstmal zurecht finden. Es gibt zich Busgesellschaften, die allesamt ein kleines Büro in einem riesigen Bahnhofähnlichen Gebaude führen. Mein Agent hat mir die falsche Büronummer aufgschrieben. Aber sowas kalkuliere ich immer mit ein. Also kein Grund zur Panik! Dann geleitet mich eine junge Dame vom Büro zum Bus, den ich sonst nie gefunden hätte. Von außen macht der Bus einen guten Eindruck. Vor dem Bus stehen bereits etliche Fahrgäste die mit dem einladen ihres Gepäcks beschäfftigt sind. Diesmal komme ich mir mit meinen beiden Gepäckstücken richtig bescheiden vor. Die Einheimischen laden unmengen Kartons ein. In Innenraum des Busses kommen dann noch riesige Taschen. Das erste was ich beim betreten des Buss bemerke. Im Bus müffelt es unangenehm. Ich setze mich in mein Halbbett, welches ein ganz gewöhnlicher Sitz ist. Dann merke ich, dass der Sitz ziemlich durchgesessen ist und ich die Querstangen der Rückenlehne mit den Knochen meiner Wirbelsäule zählen kann. Es sind zwei. Die Bolivanos sind schwer damit befasst ihr „Handgepäck“ zu verstauen. Der gesamte Gang ist zugestellt. Denn in die Gepäckfächer passen die riesigen Taschen einfach nicht hinein. Eine Toilette gibt es nicht, also muss auch niemand den Gang benutzen. Als dann alle sitzen fällt mir auf, dass die Bolivanos ein Problem mit der Mundhygiene haben. Fast allen fehlen Zähne und zum muffeligen Geruch des Busses gesellt sich fauliger Mundgeruch. Eine Klimaanlage gibt es nicht. Es wird ach so kalt genug. Allerdings gibt es einen Film, „Der Patriot“ mit Mel Gibson. Sogar mit Ton. Doch die Box über mir ist nicht geerdet und so gibt es störende Nebengeräusche.

Wir verlassen den Terminal, doch zunächst muss jeder eine Terminalgebür zahlen. Da sind sie wieder die Wegelagerer. Dann geht es durch chaotischen Verkehr raus aus La Paz, hinein in einen Vorort wo „El Presidente“ Evo Morales eifrig fürs einfache Fußvolk bauen lässt. Einige Plätze sind noch frei, also wird an einem weiteren Zustiegsort angehalten, doch es verbleiben weitere Sitzplätze. Ich entscheide mich eigenmächtig dazu einen Zweiersitz zu beziehen. Hier ist die Rückenlehne etwas besser gepolstert und ich kann mich ausbreiten. Hier ist es tatsächlich ziemlich bequem und ich döse ein.

Irgendwann in der Nacht steigen weitere Gäste hinzu und der Bus ist voll. Mein Platzwechsel sorgt für Verwirrung. Da mich niemand aussprechen lässt und mir auch keiner Platz macht um meinen ursprünglichen Sitz zurück zu gehen, dauert es eine Weile. Allerdings ist der Bus jetzt überfüllt und einige müssen zwischen dem ganzen Gepäck stehen.

Irgendwann in der Nacht verlassen wir dann die befestigte Straße und es geht über Holperwege. Jetzt wird mein Rücken richtig gequält. Dennoch finde ich eine bequeme Stellung und finde in bisschen Nachtruhe, monatelange Reiseerfahrung wird in Bolivien mit Erfolg honoriert.

Morgens machen wir Pinkel- und Frühstückspause. Ich bin erleichtert. Ich kann mitten im Nirgendwo zwei Schokoriegel und Wasser auftreiben. Wir stehen in irgendeinem gottverlassenem Ort. Nach 15 Minuten Pause geht es weiter.

Wir kommen erstaunlich pünktlich in Tupiza an. Hätte ich nicht mit gerechnet. Fast auf die Minute. Der Bus war zwar nicht komfortabel, aber ich glaube, es hätte schlimmer kommen können. Mir wurde schon davon berichtet, dass die Fahrgäste darum gebeten wurden einen Bus auf dem Dreck zu schieben. Immerhin habe ich ein bisschen Schlaf gefunden.

Tupiza ist ein unspektakuläres, nettes kleines Städtchen in spekatulärer Umgebung. Wüste und rote Felsen wechseln sich hier ab. Die Menschen hier sind nett. Ich frage einen Taxifahrer ob er mich zum Hotel bringen kann. Er verneint, es sei nicht weit und ich könne zu Fuß gehen. Dann werde ich von einer freundlichen Dame gebeten mir ihr Hostel anzusehen. Mir gefällts, der Preis stimmt, ich entscheide mich zu bleiben. Sie bietet mir auch gleich eine Tour für morgen zur Salar de Uyuni an (4 Tagestour) der Preis ist Okay und mir wird der Eindruck vermittelt, dass das alles Okay ist. Wir haben einen Fahrer, eine Köchin dabei. Es wird klipp und klar gesagt, dass wir die meiste Zeit kein heisses Wasser haben werden, was wir mitnehmen müssen und was extra investiert werden muss. Alle meine Fragen werden offen und ehrlich beantwortet und mir wird mir nichts vorgegaukelt. Sowas kann man buchen. Wir werden eine Gruppe von maximal sechs Personen sein. Zum Zeitpunkt des buchens war ich der dritte.

Dann wird mir noch erklärt, wo ich mir jetzt noch günstiges Geld für die Tour besorgen kann. Denn es ist Samstag und nicht alle Banken haben geöffnet. Einen Geldautomaten gibt es in Tupiza nicht. Also tausche ich Travellerchecks ein. Jedoch zu einem ganz beschissenen Kurs. Ich hätte auch nach der Tour zahlen können. Ich wollte aber gleich bezahlen, damit ich es hinter mir habe. Nichtmal bei der Bezahlung werde ich bedrängt, sowas hat man gerne.

Ich ruhe mich heute von der langen Fahrt aus und freue mich auf das nächste Highlight meiner Reise. Nachmittags plane ich noch meinen letzten Reiseabschnitt. Somit ist auch Brasilien vorgeplant. Das hat mir am meisten Kopfzerbrechen gemacht.

01. bis 4.05.2011 Salar de Uyuni Tour

Erster Tag:

Wir starten am Sonntag um 8:30 Uhr von Tupiza aus. Mit dabei sind der Fahrer/Guide Emilio mit seiner Frau die uns beköstigt. Dann noch Olivier aus Frankreich, Massad, und Chica (ich kann mir ihren Namen einfach nicht merken) aus Israel. Alle sind recht ruhige Vertreter, was dem Genuss der Tour keinen Abbruch tun soll. Eher im Gegenteil.

Am ersten Tag geht es erstmal zu einer Schlucht mit tollen roten Felsformationen. Wir besuchen noch zwei Lagunen, ein Dorf das von der Lamazucht lebt und komplet aus Lehmziegel gebaut wurde, dann steht noch Puebla Fantastico auf dem Programm, ein verlassenes und verfallenes Dorf. In Puebla Fantastico wurde intensiv Bergbau betrieben, irgendwann waren die Minen erschöpft und der Ort war dem Verfall gewidmet. Mal Ruinen aus neuerer Zeit.

Die Fahrt mit dem Geländewagen geht über unbefestigte Straßen und durch eine granndiose Landschaft. Schon jetzt zeichnet sich ab, das die Tour ein Highlight sein wird. Das dumme! Es ist sonnig und zu gleich scheisse kalt. Es besteht große Gefar sich zu erkälten und sich gleichzeitig einen Sonnenbrand einzufangen.

Unsere Unterkunft ist einfach. Es gibt Betten, die den Liegekomfort von Hängematten haben. Um der Kälte zu entkommen lege ich mich komplett angezogen in meinen neuen Sommerschlafsack und habe noch vier Decken um nicht zu erfrieren. Angenehmer Schlaf sieht jedoch anders aus. Hatte mal jemand von Euch trotz LSF 60 einen Sonnenbrand auf der Nase und gleichzeitig eine laufende Nase. Ich sag Euch, eine unangenehme Kombination.

Hier ein paar Bilder des Tages:

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Erste Stopp, tolle Schlucht mit roten Felsen in der Nähe von Tupiza.

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Kaktus!

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Jede Menge Lamas.

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Ein Dorf erbaut nur aus Lehmziegeln. Hier lebt man von der Lamazucht.

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Der Kirchturm des Dorfes.

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Okulte verfallene Tempelanlage.

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Zechensterben uns seine Folgen.

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Eine von vielen Lagunen. Unsere erste.

Zweiter Tag:

Wir fahren um 7:30 Uhr los. Die Nacht war wenig enspannend. Morgens ist meine Brille verschwunden. Also wird erstmal das ganze Zimmer durchsucht. Zwischen einer der hundert Decken war sie dann. Zum Glück unbeschädigt.

Zunächst geht es zu einer zugefrorenen Lagune. Dort kann man normalerweise Flamingos besichtigen. Denen ist es aber zu kalt und da sie Flügel haben sind sie einfach weitergezogen. Nur Touristen sind so bescheuert sich bei dem Wetter hier aufzuhalten. Also gibt es keine Flamingos. Nur eine Lagune. Was auch schon ist! Dann geht es weiter zur nächsten Lagune. Sie ist weiss, hier wird irgendein Rohstoff zur Shampooherstellung gewonnen. Wir sehen einige Flamingos. Weiter geht es weiter in einer heisse Therme, wo wir uns erstmal aufheizen können. Was auch alle tun. Die Duschen in den Unterkünften sind übrigens kalt, weshalb niemand geduscht hat. Nach dem aufheizen gibt es Mittagessen. Nachdem Mittagessen besuchen wir die Daliwüste. Sie ist nach gleichnamigen Künstler benannt, der sich hier inspirieren lassen hat. Ich denke Drogen waren ebenfalls mit im Spiel. Heiss geht es weiter. Wir fahren in den Vorort der Hölle. Es riecht nach Schwefel. überall gibt es Löcher in denen eine weisse Masse brodelt. Geysire. Sehr beeindruckend! Dann geht es in die nächste Unterkunft. Wieder einfach! Aber die Betten sind besser. Die Duschen haben Außentemperatur. Schnell alles vom Geländewagen packen, dann geht es weiter es zur nächsten Lagune. Zur Laguna Colorado. Dieser See ist bunt. Überwiegend pink. Diverse Mineralien und Algen machen diese Farbe möglich. Hier tummeln sich dann endlich viele Flamingos, die sehr gut zur Farbe des Sees passen. Leider gibt der Akku meiner Kamera hier seinen Geist auf, so dass ich nur wenige Falamingo Bilder habe.

Hier die Bilder des Tages:

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Eine zugefrorene Lagune. Normalerweise Tummelplatz tausender Flamingos.

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Die Sonner knallt erbarmungslos auf uns herab.

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Diese Lagune sieht zwar zugefroren aus, ist es aber nicht. Hier werden Chemikaien zur Shampooherrstellung gewonnen. Von uns hat sich heute morgen ganz bestimmt niemand die Haare gewaschen.

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Tatsächlich. Dies ist ein See!

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Die Daliwüste.

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Der Vorort zur Hölle.

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Hier ist es wieder richtig heiss. Wassertemperatur 200 Grad Celsius,

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Dampf mit Schwefelgeruch. Beeindruckendes Naturschauspiel.

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Ein pinker See.

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Ein Flamingo.

Dritter Tag:

Um 5:00 Uhr ist aufstehen angesagt. Morgens gibt es dann kein Wasser, weil die Leitungen zugefroren sind. Achja, hatte ich schon erwähnt, dass es scheisse kalt ist. Und die Scheisse der letzten Nacht will ohne Wasser nicht die Toiletten verlassen. Die Wenigsten in der Unterkunft haben kapiert wozu die Tonne Wasser mit den vielen Eimern vor den Essensresteentsorgungsanlagen stehen.

Unsere Köchin ist sehr früh aufgstanden und hat zum Frühstück Kuchen gebacken. Alle freuen sich! Sogar unser koscher lebende Isrealin hat ihre Packung Frosties erhalten. Woher die Guides diese Packung mitten in der Wüste aufgetrieben haben ist mir ein Rätsel. Dummerweise sind es nicht die echten von Kellogs, sondern ein Imitat. Unsere Freundin hat darauf bestanden, dass es die echten sind, da sie nur diese für koscher hält. Die Köchin ist inzwischen schwer angenervt von den ständigen Sonderwünschen und Ablehnungen. Nicht mal Obst wird von Chica angenommen. Dafür kocht Chica für sich allein. Massad ihr Freund, ebenfalls Jude isst alles was auf den Tisch kommt. Das sorgt nicht gerade für ein klares Bild. Die Köchin gibt sich alle Mühe und schüttelt über Chicas Extrawünsche nur den Kopf.

Um 5:30 Uhr geht es dann los. Zunächst halten wir an einer Stelle an der viele skruil gefromte Felsformationen stehen. Ich glaub Dali war auch hier. Hier verabschiedet sich dann ein Stoßdämpfer unseres Gefährts. Die Fahrer halten zusammen und tauschen Ersatzteile aus. Das in einer Zeit, so dass wir es kaum bemerken. Mit einen neuen Stßdämpfer geht es dann weiter. Wir halten an einigen Lagungen an, eine ist sogar mit Flamigos bestückt. In allen befinden sich Mineralien, weswegen die Ufer explosiv sind. Dann halten wir an einem Steinmeer, vulkanischen Ursprungs und machen Mittagpause. Dann folgt eine lange lange Fahrt bis wir endlich in Uyuni ankommen. Hier ist Endstation, morgen geht es noch einen halben Tag in die Salzwüste.

Abends bereitet unsere Köchin Pasta, mit Tomatensosse, alles vegetarisch, Chica lehnt wiederum ab, macht sich dan selber Nudeln mit Tomatensosse. Unsere Köchin versteht die Welt nicht mehr.

Hier die Bilder des Tages:

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Ein berühmter Fels-

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Wartung des Geländewagens mitten in der Wüste. Ein neuer Stoßdämpfer wird in windeseile eingebaut.

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Ein Flamigo mit Spiegelbild.

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Pinkeln verboten. Umwelschutz oder nur damit die Kasse an der gebührenpflichtigen Toilette gefüllt wird?

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Rauchen und Feuer ist ebenfalls verboten. Es besteht Explosionsgefahr.

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Skurile Felsformation Vuklanischen Ursprungs. Wir sehen hier Eltern, die ihrem pubertären Sohn beim onanieren erwischen.

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Links ein Condor rechts ein Jaguar.

Vierter Tag:

Heute folgt das Highlight. Die größte Salzwüste der Welt. Wir starten früh um 5:00 Uhr um zum ersten Ziel zu kommen. Das berühmte Salzhotel erbaut angeblich nur aus Salz mitten in der Salzwüste. Alles wirkt wie Schnee. Das Salzhotel ist jedoch aus mehreren Materialien erbaut als nur aus Salz. Die Festerrahmen sind aus Holz, ebenfalls die Türen und auch das Dach ist nicht aus Salz, sondern aus Kunststoff und zur Isolation mit Stroh bedeckt. Aber Wände, Boden, Tische und Stühle sind aus Salz. Reicht ja auch. Drinne gibts dann erstmal was warmes zu trinken. Man kann ein paar Salzskultupren besichtigen. Wer die sehen will muss was kaufen. Ich kaufe mir einen koscheren Schokoriegel, der steinhart ist. Achja, es ist scheisse kalt, daher ist er hart.

Anschließend geht es in die Wüste. Hier posen alle munter herum, denn die Salzwüste bietet sich für Trickaufnehmen an. Auch ich lasse mich trickreich ablichten. Unser Fahrer und unsere Köchin geben jede Menge Tipps. Bis mir dann eine Idee kommt. Schließlich bin ich modelerfahren. Also gibt’s heute mal was für die Leserinnen dieser Seite.

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Sieht aus wie Schnee ist aber alles Salz.

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Das berühmte Salzhotel.

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Die Toilette des Salhotels. Spülung funktioniert nicht. Die Leitungen sind zugefrpren.

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Salzskulturen im Museum des Salzhotels.

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Mein rucksacktaglicher Reisepartner Olivier.

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Für die Leserinnen dieser Seite habe ich mich trotz klirrender Kälte ausezogen und tanze auf eine Limoflasche.

Anschließend geht es hektisch mit der gleichen Truppe der Tour weiter nach Potosi. Kaum in Uyuni angekommen steigen wir zu warm angezogen und völlig verdreckt in den Bus und an geht es in die höchste Stadt der Welt. Dort angekommen beziehen wir gemeinsam ein Hotel. Ich teile mir mit Olivier ein Zimmer, mit richtig heisser Dusche. Gebe erstmal 4 kg in die Wäscherei auch mein Babyalpacapulli wird zum ersten mal seit fast einem Monat per Hand gewaschen.

Ich checke meine Mails und lese, dass ich zum zweiten Mal während der Tour Onkel geworden bin. Lieber Phillip, herzlichen Glückwunsch zum erblicken dieser Erde. Wenn Du mal nach Lateinamerika reisen willst. Dein Onkel hat Tipps parat. Alles gute für Dein Leben. Ebenfalls gute Nerven wünsche ich Christian und Judith und hoffe Caroline wird sich liebevoll ohne Eifersucht um ihren Bruder kümmern. Glückwunsch auch an die Großeltern, sowie an den anderen Onkel Stefan und die neue Tante Petra. Nach meiner Rückkehr steht dann wohl die nächste Tour duch Deutschland an. Dann Babywachting.

05.05.2011 Mienen von Potosi

Ich als alter Knappe a.H. besuche heute mal die Kumpels die Untertage in den Mienen von Potosi schuften. Als erstes werden wir in die richtigen Anzüge gesteckt. Dann geht es zum Markt wo man alles bekommt, was man unter Tage so braucht. Kokablätter, 96% Alkohol, Zigaretten die mit Cocablättern und Eukayltus gestreckt sind und ganz wichtig, eine Stange Dynamit, die hier jedermann ohne Lizens legal auf der Straße erwerben kann (kein Scherz). Damit ist Potosi auch sehr beliebt bei Terroristen aus aller Welt.

So ausgestattet geht es dann auch gleich in den Schacht. In der Miene selbst wird gearbeitet, während wir geführt werden. Die Kooperative selbst will Touristen in der Miene haben. Einerseits natürlich wegen der Bezahlung, andererseits will man Menschen aus aller Welt zeigen wie die Arbeitsbedingungen hier sind. Fangen wir mit letzterem an. Die Arbeitsbedingugen sind schlecht. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Mienenarbeiters liet zwischen 35 und 45 Jahren. Dann ist Schluss. Wegen der vielen giftigen Mineralien die eingeatmet werden. Neben Silber, wofür die Mienen bekannt sind, gibt es jede Menge Asbeststaub. In den oberen Bereichen der Miene wird überwiegend Zink abgebaut aber auch Blei und viele weitere Rohstoffe. Meine Lunge kratzt nach kurzer Zeit in der Miene. Gesund ist der Aufenhalt in den Mienen nicht. Das ist die dauernde Gefahr. Die andere Gefahr sind natürlich Verschüttungen. Überall liegt loses Geröll herum und die wenigen Sicherungen die zu sehen sind, sind alles andere als stabil. In der Miene ist es eng, teilweise sehr eng. Ich stoße mir ständig den Kopf. Zum Glück habe ich einen Helm.

Die Bezahlung ist mieß. Sie hängt davon ab, wieviel die Arbeiter im Monat finden. Der Durchschnitt liegt bei fünf Euro am Tag. Die Mienenarbeiter sind jung, sehr jung. Aber es liegt vielleicht auch daran, dass die jungen Arbeiter in den oberen Bereichen eingesetzt werden. Die tieferen Bereiche liefern Silber, da müssen sich die jungen erstmal hinarbeiten. Die jüngsten Arbeiter in der Miene sind laut unserem Führer 14 Jahre alt und schufften wie verrückt.

Es gab unter den Spaniern den Versuch schwarze Sklaven in den Mienen einzusetzen. Dies war jedoch erfolglos, weil die Sklaven aus Afrika weder mit der Kälte, noch mit der Höhe zurecht kamen. Sie verstarben bevor sie in den Mienen waren.

Soviel zu den Arbeitsbedingungen. In den Mienen hat sich eine Interessante Form der christlichen Religion etabliert. Nachdem sich der Einsatz der Sklaven als Flopp erwiesen hatte, die Spanier jedoch die Rohstoffe haben wollten mussten sie sich etwas einfallen lassen. Sie setzten Indios ein. Diese hatten jedoch nicht so wirklich interesse daran in die Mienen zu steigen. Also erzählten die Spaniern den Indios, dass sie der Teufel holen würde, wenn sie nicht in die Mienen gehen. Also etablierte sich eine Mischreligion. Stiegen die Indios in die Mienen ab, vereehrten sie den Teufel. Außerhalb der Mienen waren sie mehr oder weniger brave Christen. Die Rituale werden bis heute gepflegt. Steigt man in die Mienen ab, opfert man einer Teufelsfigur Kokablätter. Ein paar auf die Arme, ein paar auf die Beine, einen auf den Penis und ein paar Blätter für Pachamama, dann steckt man dem Teufel noch eine brennende Zigarette in den Mund, den der Teufel raucht gerne. Ähnlich verfährt man mit dem reinen Alkohol. Man kippt ein bisschen in den Schraubverschluss, schüttet ein wenig auf den Bpden (für Pachamama) übergießt ein weiteres drittel auf die Teufelsfigur undgönnt sich selbst einen das verbleibende drittel. Außerdem werden zu bestimmten Zeiten Lamas geopfert. Damit uns nichts passiert, müssen wir das Ritual mit den Kokablättern vollziehen. Der Guide nimmt die Sache ernst. Er gibt uns zu verstehen, dass er jeder Religion und Kultur respektiert, er sich jedoch auch erwartet, dass wir die Kultur der Bergleute respektieren. Aber wir haben mal wieder eine Verweigerin dabei. Die strenge Gläubige Judin weigert sich den Teufel ein Opfer zu bringen. Das macht sich dann auch später bemerkbar.

Nachdem Ritual strengen wir noch ein bisschen mit Dynamit herum. Es gibt einen kräftigen Knall, danach besichtigen wir der Sprengort, jedoch nur sehr kurz, da wir wohl irgendwelche Gase zu Tage befördert haben. Dann geht es weiter durch diverse enge Schächte. Nicht vergleichbar mit dem was man aus den gängigen Museen im Ruhpott kennt. Sicherheit wird in erster Linine durch eigene Aufmerksamkeit un die der anderen Kumpels gescihert und natürlich dadurch, dass man sich mit dem Teufel gut stellt. Wir haben eine Querulantin in der Gruppe. Überhaupt sind viele in der Gruppe nicht in der Lage die Gefahre zu erkennen. Wir erhalten Anweisungen bestimmte Steine nicht zu berühren, weil sie lose sind und einen Rutsch auslösen können. Es gibt wirklich einige Leige die nach dem Grund Fragen. Unser Guide will uns die unteren Bereiche der Mienen zeigen, dort wo das Silber abgebaut wird. Doch der Teufel meint es nicht gut mit uns. Der Guide gibt die Anweisung umzukehren. Wieder gibt es Leute die nach dem Grund fragen. Der Grund lautet, der Durchgang ist verschüttet. Tja, nicht alle haben dem Teufel Tribut gezollt. Unter Tage ist vieles anders. Also geht es nicht ganz so tief, was ich auch angenehm finde, denn mit dem Abstieg wird es immer wärmer. Unten sollen 45 Grad Celsius herrschen. Muss ich nicht haben. Aber dadurch verkürzt sich die Tour. Jedoch bin ich froh, wieder an der frischen Luft zu sein.

Die Tour war mit gewissen Gefahren verbunden. Die Touristen fördern die Kokasucht der jungen Bergarbeiter dadurch, dass sie dazu aufgefordert werden ihnen Coca, Alkohol (mehr für rituelle Zwecke) und Cocahaltige Zigaretten mitbringen. Ich bin ein wenig Zwiegespalten. Es ist jedoch mal eine völlig andere Welt in die wir da abgetaucht sind.

Fazit:

Ich fand sehr interessant mal die Arbeitsbedingungen in der dritte Welt zu beobachten. Es scheint als sei die Sklaverei nicht abgeschaft. Katastrophale Arbeitsbedingungen zu Hungerlöhnen anzubieten ist abscheulich. Ich habe mich dwährend der Tour gefragt, warum die Arbeiter sich das antun. Wahrscheinlich nur weil es an alternativen fehlt und die Menschen sonst verhungern würden. Silber ist in Europa fast schon ein Wegwerfprodukt. Nur weil ein paar Geschäftsleute der Meinung sind, Silberschmuck soll günstig sein, ist es noch lange kein Grund die Bezahlung in einen der ärmsten Ländern der Welt nicht dem Weltmarkt anzupassen. Das sollten sich einige Tussis mal durch den Kopf gehen lassen.

Doch was ist die Alternative. Eine ganze Region lebt vom Silberabbau. Wenn diese Einnahmequlle fehlen würde, würde Potosi wahrscheinlich kollabieren. Ich werde jedenfalls nicht auf Boykott setzen. Boykott hilft Unternehmen oder Rohstoffhändler unter Druck zu setzen. Bei Rohstoffen wie Metallen nutzt dies jedoch nichts, da nicht erkennbar ist, wer die Rohstofflieferanten sind und worin diese Rohstoffe enthalten sind. Silber ist nicht nur für die Schmuckherrstellung wichtig sondern ist in vielen Produkten wie Computern enthalten, so dass ein Boykott nichts bringt. Er würde nur die Preise weiter in den Keller treiben, da so ein Überangebot entsteht. Also bleibt eine gewisse Ratlosigkeit nach der Tour. Was mir in Potosi nicht gesehen habe waren Bettler auf der Straße habe ich auch keine Kinder arbeiten sehen. Das gute jedoch ist, durch den Tourismus wird hingesehen und nachgedacht. Vielleicht kann Tourismus die Menschen tatsächlich nachdenklicher werden lassen. Ich wurde es und nicht zum ersten mal

Hier die Bilder:

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Der Markt für die Bergleute. Auf offener Straße kann jeder Dynamit kaufen, ebsnso Kokablätte (bekommt man ohnehin überall), reinen Alkohol und vieles mehr.

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Ich mit meiner Stange Dynamit. Noch nicht scharf gemacht.

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Teufelsgesöff.

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Ich mal wieder im Bergmannsgewand. Voll ausgestattet mit bolivischen Bergmannskippen, Kokablättern, reinem Akohol und natürlich Dynamit (im Platikbeutel). Das schike Outfit darf nicht fehlen, ebensowenig wie die Lampe. Sonst sieht man nichts. Die roten Flecken am Querbalken kommen vom Blut geopferter Lamas. Auch hier ist die Inkareligion noch lebendig.

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So siehts innen aus. Der Staub reflektiert den Blitz.

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Satanskult unter Tage.

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Ein weiterer Teufel. Man beachte das Geschlechtsorgan.

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Und ein besonders alter Teufel, mit Zigrarette. Der Nase bekommt es auf dauer nicht ganz so gut. Unten seht ihr eine Flasche reinen Alkohol. Ist der Alkohol nicht rein, sind es die Rohstoffe auch nicht. Un den Teufel herum liegen tausende Cocablätter.

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Knappen bei der Arbeit.

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Silberadern. Hiernach sucht man.

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Die Knappen leben außerhalb der Stadt. Potosi lebt zwar vom Bergbau, die Arbeiter können sich die teure Wohnung in der Stadt selbst nicht leisten.

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Direkt an den Mienen gibt es eine Notfallstation und mehrere Kindergärten.

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Blick auf die Außenanlagen der Mienen.